Die Fährnachen

Die Fährnachen waren neben der Furt lange Zeit eine wichtige Möglichkeit der Flussüberque- rung. Diente die Furt hauptsächlich dem Waren- und landwirtschaftlichen Transport, wurden die Fährnachen hauptsächlich für Personenüberfahrten genutzt. Für alle Siegfähren galt der preußische Fährtarif von 1830, der im Jahre 1846 auch noch mal für Weldergoven bestätigt wurde. Die Preise staffelten sich von 3 Pfennig für eine Person bei normaler Überfahrt bis hin zu 3 Groschen für ein beladenes Fuhrwerk. Befreiungen gab es für Haustiere, Militärs, öffentliche Beamte, Staatstransporte und sonstige Hilfsfuhren.

Nach dem Verzeichnis der Siegfähren vom 15.4.1846 verfügte man in Weldergoven über zwei Nachen. Die Fährgerechtsame war damals an Peter Brennerscheid in Weldergoven verpachtet.  Folgende Maße sind für die Nachen angegeben:

1. Nachen:
Länge  40, Breite 5, Tiefe 2 1/4 preuß. Fuß
Länge 12,56, Breite 1,57, Tiefe 0.70 Meter

2. Nachen:
Länge 30, Breite 2 3/4, Tiefe 1 1/2 preuß. Fuß
Länge 9,42, Breite 0,86, Tiefe 0,47 Meter

Mit diesen Gefährten waren ganz sicher keine Fuhrwerke oder größere Tiere über die Sieg zu setzen, zumal diese ohnehin viel eher die Furt benutzt haben dürften, die ja dazu kostenlos zur Verfügung stand. Der Preußische Staat verlangte übrigens, dass der Fährtarif an der Übersetzungsstelle aushing und überwachte dies. So registrierte der Siegkreis schon unter dem 22.10.1845: „Weldergoven, die vorschriftsmäßige Tafel ist vorhanden“.

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Der Fährnachen wird auch zum Badevergügen genutzt (um 1930)

Der Weldergovener „Dorfchronik“ von 1960 ist zu entnehmen, dass auf dem Hennefer Friedhof ein inzwischen verschwundener Grabstein für den Fährmann Zehrgesell stand, der die Inschrift trug: „Er war der letzte Fährmann von Welderkoven.“ Bei Festen soll er als Musikant aufgetreten sein und zum Tanz die Geige gespielt haben, denn das Fährhaus diente zugleich als Wirtschaft. Im Nebenerwerb ist der Fährbetrieb aber noch bis etwa 1948-50 von Willi Happ und seiner Ehefrau Helene aufrecht erhalten worden. Sie bewohnten das Haus nahe der Anlegestelle, Straße Zum Brünnchen Nummer 18, und wer übergesetzt werden wollte, klopfte bei Happs an die Tür oder rief von der anderen Seite nach dem Fährmann.

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Haus Nummer 17 der Fährleute Happ um 1940