Lage und Namen

Die erste urkundliche Erwähnung

Die erste gesicherte Nachricht über Weldergoven ist einer Urkunde aus dem Jahr 1143 zu entnehmen, in der der Kölner Erzbischof Arnold von Wied dem Nonnenkloster Rolandswerth die verschiedenen älteren und jüngeren Schenkungen und Stiftungen bestätigt. Dabei wird auch die Stiftung von zwei Männern aus Bonn genannt, die in Geisbach Grundbesitz hatten. Die Übersetzung der lateinischen Originalfassung lautet:

„Otto und sein Sohn Heinrich von Bonn haben für die Rettung ihrer Seelen 20 Joch Ackerland und drei Gewalten fällbares Holz geschenkt, zwei in Geisbach, eine in Weldergoven; von ebendiesem Eigengut werden 12 Malter Roggen gezahlt.“

Weldergoven kann also auf eine Vergangenheit von mehr als 850 Jahren zurückblicken.

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Weldergoven von Osten im Jahre 1946, Ölbild von Johann Wimmert, Hauptlehrer an der Volksschule Hanftalstraße
Der Ortsname

Der Name Weldergoven mutet etwas ungewöhnlich an, weil er außerhalb der zumeist gebräuchlichen Namenstypen zu stehen scheint, was sich schnell auflöst, wenn man ihn unter die „inghoven-Typen einreiht. Demzufolge wäre der Name den primären, vermutlich vordeutschen Siedlungsnamen zuzurechnen. Folgende Schreibweisen kommen vor:

In frühesten Urkunden:

  • 1143 Wendelinchhouen
  • 1247 Welderinchouen
  • 1436 Welderkoyuen
  • 1487 Welderkoeven

In einundderselben Urkunde:

  • 1644 Welderkoven
  • Weldekouen
  • Weldinkoven
  • 1816-20 Felderjoven in der Müfflingschen Karte, kann als Dialektübernahme der preußischen Kartographen gesehen werden
  • 1845 Weldergoben in einem Schreiben des Landrates von Loe
  • 1854 Waltershoven bei August Horn in seiner Beschreibung des Siegtales, dürfte auf einen Hörfehler beruhen. Er beschreibt den Blick von Schloss Allner aus so: „Eine Wanderung von dem Pavillon zuerst in nordöstlicher, dann  in östlicher Richtung bringt den Wanderer auf einen nicht weniger interessanten Aussichtspunkt am entgegengesetzten Ende des Schloßwald’s, der an der Gränze eines Tannenwald’s gelegen, die Aussicht auf das Brölthal, die hoch gelegenen Orte Winterscheid, Bödingen, Blankenberg mit seinen Ruinen und auf die im Thal gelegenen Dörfer Lauthausen, Waltershoven und Muschmühle, sowie die bei letzteren Dörfern gelegenen Weinberge beherrscht.
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Blick von Nutscheid nach Süden auf Weldergoven (1942)
Die Sieg

Die unmittelbare Nähe der Sieg bestimmte das Alltagsleben Weldergovens früher noch sehr viel stärker als heute. Mit dem Hochwasser, das meist im Frühjahr auftrat, war man vertraut. In die Keller der Häuser im Unterdorf drang dann das Wasser unterirdisch ein und versickerte auch wieder durch die unbefestigten Böden. Bei sehr hohem Wasser wurden auch die Wege Grafenbungert, unterer Teil der Siegstraße und die Gartenstraße, alles damals noch nicht befestigt, überschwemmt. Bis in den letzten Krieg war es noch üblich, in der Sieg Wäsche zu waschen und auch am Ufer zum Bleichen auszulegen. Ansonsten wurde der Regen als ideales Waschwasser aus den Dachrinnen aufgefangen.

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Beim Sieghochwasser im Februar 1909 waren die Häuser im Unterdorf nur über einen mit Leiterwagen hergestellten Behelfssteg zu erreichen. Hier die Häuser Siegstraße 29 und Grafenbungert 2. Seit 1929 verhindert der Hochwasserschutzdamm solche Überschwemmungen.

Das Schönste waren natürlich die Badefreuden. Wenn es warm genug war, stürzte man sich nach der Arbeit zur Reinigung ins erfrischende Nass, aber Frauen und Mädchen badeten zumeist in der Dämmerung „katholisch“, das heißt, sie behielten ihr Kleid an, dessen weiter Rock sich dann im Wasser aufblähte. Dies veranlasste die Männerwelt zu allerlei Neckereien, aber guter Sitte war Genüge getan. Besonders wichtig war der Fluss für die Kinder, die dort gerne spielten und auch allerlei Unfug trieben. Dazu gehörte das Fangen von Fippchen (kleinen Fischen), Aufblasen von Fröschen oder Aalen stechen, in dem man Steine hochhob und blitzschnell mit dreizackiger Gabel zustach. Was man damals in unbekümmerter Naivität getan hat, ist heute freilich zu verurteilen.

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Der Weldergovener Siegsteg in der 1930er Jahren

Die Sieg führte alljährlich meist zu Pfingsten viele Paddler herbei, die oft in Weldergoven Station machten und um Unterkunft, gelegentlich auch Speisen baten. So wurde vom Selbstgeschlachteten für geringes Entgelt aufgetischt. Als Quartier gab es Plätze auf dem Heuboden, der dann mit allerlei Geraune und Gekicher erfüllt war.

In besonders kalten Wintern kam es vor, dass die Sieg zugefroren war. Dann wurde von jungen Burschen an geeigneter Stelle ein Pfahl eingerammt, der festfror. An ihm befestigte man an einem Seil einen Schlitten auf dem in der sogenannten Eismühle im Kreis herumgesaust wurde. Die Lei, der tote Siegarm, diente als Schlittschuhbahn, und auf der „Ruusch“ (Weg zwischen Zum Brünnchen und Im Burghof), sowie von der Kreuzstraße über das Dorfdreieck wurde gerodelt.

Durch die Furt in Verlängerung der heutigen Siegstraße konnte der Fluss mit dem Fuhrwerk oder zu Fuß durchquert werden. Das ging auch mit Handwagen und Schubkarre, um die Heuernte von Grundstücken auf der anderen Siegseite einzubringen. Es war dies also ein gebräuchliches Wegestück für die Anwohner. Im März 1945, als die Amerikaner hier die Sieg überschritten, gewann diese Furt für kurze Zeit taktische Bedeutung. Zuletzt benutzten sie noch die in Spich stationierten belgischen Truppen bei Manövern mit ihren Fahrzeugen. Durch Verbauungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes im Jahre 1968 wurde sie für jedermann unpassierbar gemacht.