Entwicklungskonzept

5.1 Grundsätze der Dorfentwicklung

Chancen liegen in Orten wie Weldergoven darin, dass ein enger Bezug der Menschen zur Ge schichte des Ortes, der umgebenden Landschaft, den natürlichen Lebensgrundlagen und dem sozialen Verbund hergestellt werden kann. Ziel der Dorferneuerung ist es, im Sinne einer Vorhaltestrategie für künftige, heute nicht absehbare Entwicklungen Möglichkeiten zu sichern oder aufzubauen. Dabei gelten Parameter wie Maßstäblichkeit, Kleinteiligkeit, Vielfalt, Vernetzung und Verknüpfung als wesentliche Grundvoraussetzung im räumlichen wie im sozialen Gefüge.

5.2 Entwicklungsperspektiven

Aufgrund der geographischen Lage, der naturräumlichen Bedingungen und der Schutzzonen nach Naturschutzrecht und Wasserrecht ist eine räumliche Ausdehnung der Ortslage von Weldergoven nach Westen, Norden und Osten nicht möglich. Steilhangkante, Sieg-Fluss, Grenzen der Landschaftsschutzgebiete und der Überschwemmungsgebiete verhindern weiteres Flächenwachstum. Mit dem Aus- bzw. Neubau der Deiche manifestieren sich diese Grenzen in aller Deutlichkeit. Von Süden her wird die zukünftige städtebauliche Entwicklung Hennef-Ost mit ihrer SBahn-bezogenen Neubebauung eine Grenze setzen, die durch einen etwa 50-60 m breiten „Grünzug-Süd“ von Weldergoven getrennt geplant ist.

Das bedeutet, dass die weitere Entwicklung Weldergovens eine Binnenentwicklung sein wird, was weniger Begrenzung als Chance für neue Qualitäten bedeutet. Es gibt ergänzende und abrundende Baumöglichkeiten in einigen Bereichen, so: Am Rosenhügel, Im Burghof und in Verlängerung des Gartenweges, sowie auf einzelnen noch unbebauten Parzellen.

Binnenentwicklung heißt, dass Potentiale in baulicher und ökologischer Hinsicht erkannt und ausgeschöpft werden. Dies betrifft die Herrichtung und Sanierung alter Gebäude, die Verbesserung bei Neubauten, die Extensivierung und dorfgerechte Gestaltung der Gärten und Grünanlagen, wie sie im Einzelnen im Dorferneuerungsplan näher erläutert sind.

5.3 Oberziele der Dorfentwicklung aus ökologischer Sicht

Der Bezug der Menschen zur Landschaft und den natürlichen Lebensgrundlagen lässt sich in Weldergoven am ehesten an folgenden Landschaftsraumpotentialen feststellen:

  • Großräumige Übergangslandschaft von der Rheinebene mit urbanen Überformungen in die kleinteilige, noch weitgehend agrarisch bestimmten Ausläufer des Bergischen Landes.
  • Siegaue mit dem Fluss und den weiträumigen, unverbauten Acker- und Grünlandflächen, stark gegliederten Talflanken, Nähe zum Naturschutzgebiet Dondorfer See.
  • Bewaldete Steilhangkante im Osten des Ortes.
  • Landwirtschaftliche Flur mit Acker, Grünland, Sonderkulturen, Gehölzinseln, Gras- und Krautfluren und der Pferdehaltung des Hofes Allner.

Die Frage, ob und wieweit dorfökologische Aspekte die zukünftige Entwicklung beeinflussen können, ist im Rahmen der räumlichen Planung nicht abschließend zu beantworten. Die Zusammenführung von suburbaner Struktur mit „städtischer Pendlerbevölkerung“ einerseits und Erinnerungen an die traditionelle Landwirtschaft andererseits bedarf noch der Erprobung. Mögliche ökologische Aspekte, die in die innere Entwicklung von Weldergoven einfließen könnten und sollten, sind:

  • Dezentrale zeitgerechte Regenwasserbewirtschaftung durch Nutzung als Brauchwasser, Gartenbewässerung sowie Regenrückhaltung und Verdunstung und Versickerung soweit die Untergrundverhältnisse es zulassen, unter Berücksichtigung der neu erstellten Kanalinfrastruktur Trennsystem.
  • Beachtung energetischer Aspekte beim Neubau und Umbau von Wohngebäuden.
  • Verwendung von nachwachsenden bzw. energie- und abgasarm erzeugten, recycelbaren Baustoffen bei Neu- und Umbauten.
  • Beachtung ökologischer Belange bei Herstellung und Unterhalt der neuen öffentlichen Grünzonen im Zusammenhang mit dem Deichbau im Norden und dem Grünzug im Süden. Dies betrifft Materialwahl der Baustoffe für Wege und Ausstattungen, Artenwahl bei der Vegetationsstruktur und den laufenden Unterhalt.
  • Ausschöpfung des Potentials ökologischer Vielfalt auf den Privatgrundstücken. Dies bezieht sich auf Gestaltung, Pflanzenauswahl und Pflege der Gärten, Angebote für spezielle Tier- und Pflanzenarten wie Brut- und Nisthilfen für Vögel, Winterquartiere für Fledermäuse, Schlupf- und Nisthabitate für Insekten. Daher sollten vor allem erhalten und ausgebaut werden die Obstwiesen, Obstgärten, unverfugte Natursteinmauern und alte Gebäude.

Der vorgesehene Neu- und Ausbau der Deichanlagen im Norden und Westen von Weldergoven zur Vergrößerung der Retentionsräume wird eine Umnutzung der Flächen notwendig machen, die in der Folge vom Hochwasser der Sieg überschwemmt werden. Ackerflächen werden zu Dauergrünland, die mögliche und zu erwartende Nutzung als Pferdekoppel über den Hof Allner erlaubt die Pflanzung von Eichengruppen.

Landschafts- und Ortsstruktur bieten keine Voraussetzung zu einer denkbaren Entwicklung in Richtung Fremdenverkehr. Für die Tageserholung bildet das Siegtal jedoch Anreize für Radfahrer, im Zusammenhang damit die Chance der Wiederentstehung einer Gaststätte im alten Ortskern von Weldergoven oder die Wiederaufnahme des Fährbetriebes an Wochenenden.

Für die Umsetzung ökologischer Ziele hat der Rat der Stadt Hennef beschlossen, Runde Tische und Foren im Rahmen der „Lokalen Agenda 21″einzurichten. Nur über die Mobilisierung endogener Kräfte kann eine allmähliche Umgestaltung des Dorfes gelingen. Die Planung gibt dazu Anregungen und Anstöße im Rahmen der räumlichen Konzeption, die von den Bürgern auszufüllen sind. Vielversprechende Anstöße können sogenannte „Dorfaktionstage“ geben, wie sie landesweit seit dem Startschuss 1996 in Hellefeld, Stadt Sundern, in Gang gekommen sind.

5.4 Vorschläge für ökologische Erhaltungs-, Entwicklungs- und Erneuerungsbereiche

Die bestehenden wertvollen Landschafts- und Biotopstrukturen am Rand des Siedlungsbereiches sind geschätzt. Sie sind außerdem im Bewusststein der Bewohner so stark verankert, dass eine Gefährdung nicht zu erwarten ist. Dies gilt vor allem für die Sieguferbereiche, das Altwasser Bing, den bewaldeten Steilhang im Südosten und das Feldgehölz im Westen, der Erhalt dieser Strukturen ist gesichert.

Durch die vorgesehene Rückverlegung der Deiche im Zuge des Siegauenprogramms erfolgt eine umfangreiche ökologische Entwicklung:

  • Die Sieg dehnt ihren Einflussbereich nach Süden aus, die Ackerflächen müssen zu Dauergrünland werden, das im Fall der Beweidung mit Eichengruppen bepflanzt werden kann.
  • Im Kreuzungsbereich von A 560 und B 478 werden die Laubwaldbestände ergänzt und ausgeweitet.
  • Zwischen Deich und Bebauung entsteht eine extensiv gestaltete Zwischenzone mit einer Abpflanzung der Siedlungsgebiete, der Anlage von Wiesenflächen und Bäumen.
  • Der Fichtenbestand auf der Nordseite des Deiches wird aufgelöst bzw. umgebaut in einen Laubholzbestand.

Auch der Grünzug Süd zwischen dem Ort Weldergoven und der geplanten Siedlungsentwicklung Hennef-Ost wird mit seinen Baumpflanzungen und Wiesenflächen eine ökologische Vernetzungsfunktion zwischen dem strangförmigen Gehölzbestand im Westen und dem bewaldeten Steilhang im Osten übernehmen, auch wenn hier Erholungs- und Spielangebote für die Bewohner situiert sind.

Innerhalb des Siedlungsbereiches Weldergoven gestaltet sich die Frage der ökologischen Erhaltungs-, Entwicklungs- und Erneuerungsbereiche schwieriger, weil es sich im Wesentlichen um private Flächen handelt. Von Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz sind vor allem die Obstwiesen und -gärten, alte Gebäude und unverfugte Mauern. Der Erhalt dieser Struktur kann nur durch Oberzeugung und den Willen der Bewohner gesichert werden, verstärkt gilt dies für die wünschenswerte Extensivierung und Umgestaltung der Gärten und Einfriedungen.

Leider sind durch den Ausbau der Straßen offene Säume nahezu vollständig verloren gegangen. Verblieben sind z. B. grüngesäumte, offene Gräben auf der Südseite der Siegstraße östlich der Ortseinfahrt oder eine Böschung mit Krautgrassäumen am Ende der Straße „Zum Brünnchen. Es wäre darauf zu achten, dass bei Umbaumaßnahmen an Gebäuden, Einfriedungen oder Einfahrten schmale, unversiegelte, mit Kies oder Schotter verfüllte Fugen verbleiben, in denen eine dorftypische magere Vegetation sich entwickeln kann. Dazu genügen in der Regel Breiten von 20 – 40 cm. Die sich in solchen mageren Substraten selbst entwickelnde Vegetation entfaltet einen großen ästhetischen Reiz, wenn man nur an die blaue Wegwarte des Hochsommers denkt.

5.5 Einbindung des Dorfes in die Landschaft, Entwicklung und Gestaltung des Dorfrandes

Die Karte “ Strukturmerkmale“ zeigt auf, dass Weldergoven mit dem Deich, der Sieg und dem bewaldeten Steilhang im Osten gut in die Landschaft eingebettet ist. Defizite zeigen sich an der Süd- und Westseite, hier stoßen Siedlung und landwirtschaftliche Nutzflächen hart und unmittelbar zusammen, die Fernwirkung der Gebäude am Irlenweg ist erheblich. Das wird sich erheblich ändern: von Süden her rückt die geplante Neubebauung Hennef-Ost an Weldergoven heran. Der Freiraum zwischen den beiden Siedlungen wird als Grünfuge ausgebildet, die sowohl der geplanten Bebauung in Hennef-Ost als auch den Bewohnern Weldergovens eine wohnungsnahe, hochwertige Freifläche zur Verfügung stellt. Im Westen entsteht mit der Realisierung des Deiches eine neue Situation. Die Umwandlung der Ackerflächen in Grünland und ihre Beweidung lässt eine Bepflanzung mit Eichengruppen zu, sie verstärken die bereits bestehende Abschirmung durch das lang gestreckte Feldgehölz und führen insgesamt zu reizvollen optischen Oberschneidungen.

Die im Zuge des Siegauenprogramms hier angedachte großflächige Aufwaldung zwischen B 478 und Weldergoven wird nicht befürwortet, weil sie den offenen, großzügig wirkenden Raum blockieren würde. Sie sollte sich auf das engere Umfeld der Kreuzung A 560/B 478 beschränken und den Raum zwischen B 478 und Weldergoven für Weideland und Baumgruppen in der beschriebenen Weise offen lassen.

Der neue Deichabschnitt selber wird die Bebauung im Irlenweg nicht völlig abschirmen können (siehe Schnitt), aber in Verbindung mit einer Bepflanzung am Siedlungsrand und dem Vorfeld wird sich ein veränderter, deutlich verbesserter Gesamteindruck ergeben. Im Zuge der Deichbaumaßnahmen wird der sich anschließende, vorhandene Deich saniert, wodurch auch der nördliche Ortsrand bis zum Zugang zur Bing im Nordosten eine neue, optische Ausprägung erhält.

5.6 Bauliche Entwicklung

Die bauliche Entwicklung Weldergovens soll sehr behutsam stattfinden. Neben der Schließung von Baulücken, es sind einige im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens parzellierte Grundstücke noch unbebaut, wird eine bauliche Ergänzung nur noch in drei Bereichen vorgeschlagen. Mit dieser Ausweisung wird dem in Kapitel 5.2 Entwicklungsperspektiven formulierten Leitbild – der Binnenentwicklung – Rechnung getragen. Das im Nord-Westen Weldergovens vorhandene Flächenpotential wird nicht mehr, wie in der 1. Stufe der Rahmenplanung Hennef-Ost vorgesehen, insgesamt mit Wohnbebauung überplant. Nach den kleinräumigen Untersuchungen und nach Abwägung der unterschiedlichen Nutzungsansprüche wird die Erhaltung der Kleingartenanlage empfohlen und im Zuge der Vernetzung der Grünstrukturen innerhalb der Ortslage Weldergovens deren Erweiterung. Nördlich der Kleingartenanlage sieht das Konzept Wohnbebauung mit 11 freistellenden Einfamilienhäusern vor, die in Anlehnung an die im Flurbereinigungsverfahren parzellierte Straße in der Verlängerung der Straße „Gartenweg“ erschlossen werden sollen. Die Baugrundstücke sind dabei so bemessen, dass sie der Größe der dörflichen Struktur entsprechen und die Voraussetzungen schaffen, dass auch die Gebäude den vorgeschlagenen dorftypischen Gestaltungsgrundsätzen entsprechen können.

Dieses Baugebiet sowie die Kleingartenanlage und ihre Erweiterung liegen teilweise innerhalb des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanes Nr. 05.2 Hennef (Sieg)-Weldergoven, In den Irlen. Die Abgrenzung des Bebauungsplangebietes nimmt Rücksicht auf eine heute nicht mehr bestehende Freileitung des RWE, so dass die Abgrenzung des Gebietes und die Inhalte der Planung angepasst werden können. Im vorliegenden Bereich ist vermehrt mit Qualmwasse zu rechnen, das auch schon die Keller der angrenzenden Siedlung vernässt hat. Da das Gebiet in einer Senke liegt muss es vor einer Bebauung aufgefüllt werden.

Ein weiteres kleines Baugebiet wird „Im Burghof“ dargestellt. Auch hier hat die Flurbereinigung bereits Parzellen vorgegeben, von denen jedoch bis auf die Erschließung abgewichen werden soll, um ebenso wie in dem oben beschriebenen Gebiet freistellende Einfamilienhäuser (1 2) entstehen zu lassen, die die vorgefundene Struktur des Umfeldes besser aufnehmen können.

Auf der dritten überplanten Fläche befindet ich zur Zeit eine Gärtnerei. Falls der Betrieb aufgegeben oder verlagert werden sollte, bietet sich diese Fläche ebenfalls für den Wohnungsbau an. Hier können ca. 12 Einfamilien-Reihenhäuser entstehen, die die Struktur auf der gegenüberliegenden Straßenseite „Am Rosenhügel“ berücksichtigen.

5.7 Gestaltungsgrundsätze, Denkmalschutz

Ein wichtiges Ziel der Dorfförderung muss die Erhaltung der historischen Substanz und die Entwicklung eines Erscheinungsbildes im gesamten alten Dorf sein, das die charakteristischen, historischen Gestaltmerkmale Weldergovens aufnimmt.

Der alte Dorfkern beinhaltet sieben in die Denkmalliste eingetragene Baudenkmäler. Sie wurden gut und angemessen saniert. Sanierungsbedürftig ist lediglich das Wohnhaus Siegstraße 30 (siehe auch Baubewertung im Anhang). Eine besondere Stellung kommt dem Baudenkmal, Siegstraße 11 zu. Das hervortretende Gebäude nimmt am historischen Dorfeingang eine Sonderstellung ein und sollte wie in der Bewertung festgehalten, konsequent den ursprünglichen Charakter zurückerhalten.

Bei den historischen Fachwerkhäusern Zum Brünnchen 2, Zum Brünnchen 8 und Kreuzstraße 5 wird empfohlen, zu prüfen, ob die Wohnhäuser Baudenkmäler sind. Zusätzliche Überprüfungen im Sinne des historischen Dorfbildes z. B. Sanierungen und Freilegung des Fachwerkes werden bei weiteren Häusern angeraten. Herauszuheben sind ebenfalls die verputzten Fachwerkhäuser der Grafenbungert 16 und 18. Ihre verlorene Bedeutung als altes Fährhaus sollte wieder markiert werden.

Einen besonderen Beitrag zur Entwicklung des charakteristischen Dorfbildes können die noch unbeachteten – da zum Teil „verkleideten“ – alten Gebäude leisten, wenn sie ihre Qualität zurückgewinnen. Vorbild sollte die Gestaltung der Siegstraße sein, hier stehen 5 der 7
Baudenkmäler Weldergovens. Dies zeigt gleichzeitig die hohe Bereitschaft der Weldergovener Bewohner sich für die Gestaltungsqualität des Dorfbildes einzusetzen und dieses weiter zu entwickeln.

Das Erscheinungsbild Weldergovens wird auch durch die Bebauung außerhalb des alten Dorfkerns beeinflusst. Deshalb wird empfohlen, bei sämtlichen Neu-, Um- und Anbauten die Gestaltungsgrundsätze zu berücksichtigen, gerade bei Neubauten kann die Gestaltqualität des Dorfes gewahrt, beeinträchtigt oder gar wie durch die beiden Neubausiedlungen, nachhaltig gestört werden. Neubauten sollen die charakteristischen Merkmale natürlich nicht historisierend anwenden, eine die heutige Zeit repräsentierende Bebauung kann auch mit neuer Formen- und Gestaltungssprache Anordnung, Größe, Material, Gliederung und Farbe der gestalterischen Vorbilder des Dorfes anwenden.

Gestaltungsgrundsätze:

Bauform, Anordnung, Geschossigkeit
freistellende Gebäude, auch verkettet mit Anbauten und Nebengebäuden, Hauptgebäude dominierend, trauf- und giebelständig, Eingang zur Straße orientiert II-geschossig Satteldach, auch Krüppelwalm

Gliederung, Öffnungen
kleinteilige Gliederung, die Senkrechte betonen, Einzelöffnungen sichtbar machen, keine Querformate, Einzelgauben, die die Fenstergliederung aufnehmen

Material
Fassade- Putz, Holz, Schiefer, in Einzelfälle helle Steine (z.B. Kalksandsteine)
Sockel – Bruchstein, Sandstein
Fenster, Türen – Holz
Dach- Dachziegel dunkel, Schiefer untergeordnet

Farbe
helle Fassade, weiß, hellgrau, sandfarbig, dunkles Holz, auch farbig (auffällig) möglich, Fenster dunkel oder weiß, Dach dunkel, grau

5.8 Öffentlicher Raum, Verkehr

Die vorangegangenen Bewertungen haben ebenso wie die Diskussionen mit den Bewohnern gezeigt, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Dorfentwicklung Weldergovens und die Stützung des Gemeinwesens die Schaffung einer Dorfmitte ist. Auf die Ausbildung eines Dorfplatzes im räumlichen Zusammenhang mit der Dorfscheune der Interessengemeinschaft Weldergoven wird im Kapitel 5.9 und im Handlungs- und Maßnahmenkonzept näher eingegangen.

Der Straßenabschnitt zwischen der Hauptkreuzung des Gebietes (Siegstraße, Bodenstraße) und dem Dorfplatz sollte bereits auf den alten Dorfkern hinweisen und die Ausbaumerkmale der dorfgerecht gestalteten unteren Siegstraße aufnehmen. Die vorhandenen Räume, an den Birkenweg angrenzend und an den Kreuzungsbereich angelehnt, sollten so ausgebaut werden, dass sie die Aufenthaltsqualität stützen.

Wie bereits im Kapitel 3.5 ausgeführt, stellt die Einmündung der Bodenstraße in die Siegstraße einen besonderen Gefahrenbereich dar. Insbesondere zur Schulwegsicherung ist hier dringend ein Ausbau mit einem separaten Bürgersteig erforderlich. Im weiteren Verlauf werden sowohl die Siegstraße (nach Westen) und die Bodenstraße (nach Süden) mit dem vorhandenen Ausbaustandard ihren Verkehrsfunktionen gerecht, jedoch nicht im Kreuzungsbereich und im ersten Straßenabschnitt der Bodenstraße bis zum Kleebungert. Die Flächen stehen für den notwendigen öffentlichen Straßenraum, aufgrund der Flächenzuweisung aus der Flurbereinigung, zur Verfügung und auf diesen Flächen bestehende private Einfriedungen oder Befestigungen sind lediglich im Kreuzungsbereich und in dem direkt angrenzenden Abschnitt der Bodenstraße betroffen.

Busanbindung:
Die Buslinie 532 bindet Weldergoven an das regionale Busliniennetz an. Der Bus hält zentral im Siedlungsgebiet von Weldergoven und bedient das Dorf in den morgendlichen und nachmittäglichen Spitzenstunden ½ stündlich, sonst stündlich. Bei der Analyse und Bewertung der Verkehrssituation wurde bereits im Kapitel 3.5 ausgeführt, dass ein wesentliches Ziel der Dorfentwicklung ist, eine leistungsfähige Busanbindung für Weldergoven sicherzustellen, Fahrwege effektiv zu gestalten und gleichzeitig die Belastung für die Bewohner zu reduzieren. Diese Problematik wurde mit dem Arbeitskreis der Interessengemeinschaft Weldergoven eingehend und kontrovers diskutiert und unterschiedliche Lösungsansätze behandelt. Aus dem Arbeitskreis wurde u. a. vorgeschlagen, einen Wendeplatz vor dem Ort zu errichten und damit die Haltestelle aus dem Dorf herauszulegen. Nach umfassenden Untersuchungen unter Einbeziehung des geplanten S-Bahnhofes Hennef-Ost und der möglichen Anbindung der weiter östlich gelegenen Ortslagen und Dörfer wurden mit dem Verkehrsbetrieb, der RSVG , drei alternative Linienführungen erörtert:

  1. Weldergoven wird mittels eines Wendeplatzes über eine Schleife vor der Dorflage an das Busnetz angeschlossen.
  2. Die Linie 532 wird als durchgehende Linie durch den Ort und zum S-Bahn-Haltepunkt angeboten und fährt weiter in die östlich angrenzenden Orte.
  3. Weldergoven und der Bereich Hennef-Ost mit den S-Bahn-Haltepunkt werden über zwei separate Buslinien bedient.

Bewertung der Alternativen:

  1. Die erste Lösung ist grundsätzlich technisch machbar und würde den Ortskern Weldergoven von Busverkehr freihalten. Allerdings ist diese Lösung aus Kundensicht nicht vertretbar, da die Haltstelle aus der Mitte des Dorfes herausgelegt würde. Die Fahrgäste müssten erheblich längere Wege zur Haltestelle gehen. Betroffen wären vor allem ältere Bewohner und Schulkinder, die zu Fuß zur Haltestelle gelangen. Die RSVG lehnt daher diese Lösung ab.
  2. Diese Alternative stellt eine gute Lösung dar, da sie eine erhebliche Verbesserung der Anbindung und der Bedienung in Weldergoven und auch der östlich angrenzenden Orte verspricht. Die RSVG ist mit dieser Linienführung grundsätzlich einverstanden.
  3. Eine Einführung einer weiteren Linie bedeutet einen erhöhten Aufwand und damit deutliche Mehrkosten.

Damit wurde eindeutig Alternative 2 präferiert.

Für den weiteren Verlauf der Linie aus Alternative 2 wurde vorgeschlagen, diese als Ringlinie zu führen, die die Orte nördlich der Sieg, den Haltepunkt Blankenberg und die bislang wenig bedienten Orte entlang der L 333 verknüpft. Linieführung:

Innenstadt – Bröltalstraße – Blankenberger Straße – S-Bahn-Haltepunkt Hennef-Ost Weldergoven – Siegbrücke – Lauthausen Bödingen – Altenbödingen (Schleife) – Bödingen – Oberauel – Haltepunkt Blankenberg Greuelsiefen – Dondorf – Gewerbegebiet Hossenberg – S-Haltepunkt Hennef-Ost (Weldergoven) – Bröltalstraße – Innenstadt.

Diese Linie kann auch als Erweiterung in beiden Richtungen in einem Stundentakt befahren werden, so dass sich attraktive Verbindungen um den S-Bahnhof Hennef-Ost ergeben sowie eine Verbesserung des Angebotes nördlich der Sieg. Weldergoven würde so zweimal in der Stunde mit der Stadt verbunden werden. Als Unteralternative ist denkbar, Weldergoven bei gegenläufigem Verkehr nur auf einem Linienast anzufahren (siehe Linienführung oben mit Weldergoven in Klammern) und damit die höhere Busfrequenz im Ort zu reduzieren. Die RSVG ist mit diesen Linienführungen einverstanden. Mit der geplanten Eröffnung der S-Bahn Hennef-Ost 2001/2002 sollte die geänderte Linienführung gelten. Die RSVG benötigt dazu ein halbes Jahr Vorlaufzeit vor Fahrplanwechsel.

Die RSVG besitzt derzeit keine Konzession zum Busbetrieb auf der L 333. Diese wird von der RVK gehalten. Allerdings sieht die RSVG kein Problem, die Strecke zu befahren, da das derzeitige Angebot des RVK mit 2 bis 3 Fahrten pro Tag kein ausschlaggebendes Angebot darstellt und somit die RSVG mit der Linienführung der Linie 532 nicht in Konkurrenz zur RVK tritt.

Nach Abwägung der objektiven Kriterien und der einzelnen Beurteilungen wird vorgeschlagen, eine zentrale Bushaltestelle im Dorf zu belassen und eine durchgehende Linienführung zu wählen. Die Vorteile sind:

  • eine verbesserte Busbedienung
  • eine Entlastung vieler Anwohner, insbesondere im Straßenbereich des alten Dorfkerns
  • eine zentral gelegene Haltestelle mit kurzen Wegen für alle Nutzer
  • die Anbindung des S-Bahnhofes Hennef-Ost und des neuen Gewerbegebietes
  • die Anbindung der östlich gelegenen Ortslagen und Dörfer, wie Lauthausen, Bödingen, Blankenberg und Greuelsiefen

Der Kreuzungsbereich der Siegstraße mit der Bodenstraße und das anschließende Teilstück der Bodenstraße sind – wie bereits dargestellt wurde – aus Verkehrssicherheitsgründen (Begegnung LKW, PKW, Fußgänger, besonders Schulwegsicherung) mit einem Bürgersteig ohnehin auszubauen. Die Flächen stehen zur Verfügung. Zusätzliche Baukosten für diese Buslinienführung entstehen nicht oder nur in geringem Umfang. Nach Süden wird im Bereich des Überganges zum Wohngebiet Hennef-Ost eine Busschleuse (versenkbarer Großpoller) vorgeschlagen. Auch diese Maßnahme ist Bestandteil des generellen Verkehrskonzeptes, um Schleichverkehre des motorisierten Verkehrs durch Weldergoven zum (und vom) Gebiet Hennef-Ost und dem S-Bahn Haltepunkt ausschließen zu können.

Siegfähre:
Bis 1949 war Weldergoven mit einer Fähre mit dem anderen Siegufer bei Lauthausen verbunden. Bis zum Bau der Allner Brücke 1862 war der Fährnachen wichtigste Verbindung mit dem Land jenseits der Sieg. Die Wiedereinrichtung einer Fährverbindung, zumindest an den Wochenenden würde nicht nur eine Verkehrsbeziehung zur anderen Siegseite schaffen, sondern dem ruhigen Charakter dieses Siegtalabschnittes gerecht werdend, die Naherholung unterstützen. Die Attraktivität des Dorfes könnte erhöht werden ohne dass größere Störungen zu erwarten sind. Sie würde auch einen Beitrag leisten, das Infrastrukturangebot, z. B. durch die Eröffnung einer Gaststätte/ Cafe, zu verbessern.

5.9 Entwicklung und Gestaltung der innerörtlichen Freiflächen

Öffentliche und halböffentliche Freiflächen, Kleingärten:
Für die wenigen öffentlichen Freiflächen in Weldergoven wurde folgendes Ziel entwickelt: Die Kleingärten bleiben am bisherigen Standort erhalten. Zusätzlich wird die Anlage vergrößert, neue Flächen westlich des Postweges kommen hinzu. Der Bolzplatz vor dem Deich verbleibt, der vor dem Deich liegende Kinderspielplatz wird aus Gründen einer besseren Benutzbarkeit auf eine neue Fläche innerhalb des Deiches verlagert.

Nach der Konzeption des Dorfentwicklungsplanes wird die bestehende Kleingartenanlage wichtiger Bestandteil einer von der Siegaue im Osten ausgehenden, den baumbestandenen Dorfplatz aufnehmenden, die Freiräume des Geschosswohnungsbaus berücksichtigenden und über die Kleingartenanlage nach Westen bis zum Deich verlaufenden Grünvernetzung. In diese Beziehung wird auch die Erweiterung des Kleingartengeländes gesetzt. Der halböffentliche Raum um den Geschosswohnungsbau am Birkenweg ist ein bedeutender Baustein dieser durchgehenden Grünverbindung. Diese Fläche gilt es in ihrer Ausprägung zu erhalten und qualitativ weiter zu entwickeln.

Aus der dörflichen Struktur leitet sich die Ausbildung eines Dorfplatzes im Bereich des historischen Ortskernes ab, am sogenannten „Dorfdreieck“. Im Kreuzungsbereich zwischen Siegstraße, zum Brünnchen und Kreuzstraße ist eine räumliche Aufweitung vorhanden, deren Gestalt durch die verkehrliche Nutzung geprägt ist, und um die sich überwiegend historische Gebäude gruppieren, so auch die Dorfscheune.

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Bild: Dorfscheune mit Dorfplatz

Eine Verbesserung dieses hochwertigen zentralen Bereiches hat bei der Dorferneuerung eine hohe Priorität. Auch von Seiten der Dorfbevölkerung besteht der Wunsch, hier einen Dorfplatz auszubilden, der die Dorfmitte als Treffpunkt aufwertet und das Raumangebot im Bereich der Dorfscheune verbessert, um verschiedenen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft Raum zu geben.

Begrünung innerörtlicher Straßen:

Aufgrund der eng bemessenen dorftypischen Straßenräume und des in jüngster Zeit vollzogenen Ausbaus bleiben im Rahmen der Dorferneuerung wenige Stellen im Straßenraum übrig, an denen neue Baumstandorte entstehen können. An den Ortseingängen werden, dominante Baumpflanzungen in Form von Baumtoren mit Winterlinde vorgeschlagen. Neben der gestalterischen Betonung der Ortseinfahrt haben sie die Funktion, den Straßenraum optisch einzuengen und die Geschwindigkeit des Verkehrs zu verringern. Zur Pflanzung in den übrigen Straßenräumen eignen sich kleinkronige Laubbäume.

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Bild: Beispiel für Begrünung innerörtlicher Straßen
5.10 Wege

Innerhalb Weldergovens gibt es aufgrund der Siedlungsgröße kein separates Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer. Es sind jedoch einige Wege vorhanden, die für die Verknüpfung einzelner Straßen und für die Verknüpfung des Siedlungsbereiches mit der Landschaft von Bedeutung sind. Diese gilt es zu erhalten, auszubauen bzw. neu anzulegen. Hier ist vor allem die Verbindung nach Hennef von Bedeutung. Die vorhandenen Wege bleiben erhalten, die Querung Siegstraße und B 478 sollte aus Verkehrssicherheitsgründen verbessert werden. Eine zusätzliche Verbindung mit einem Brückenschlag über die Sieg wurde diskutiert, jedoch nicht weiter verfolgt.

In das Wegenetz soll auch die bestehende Kleingartenanlage mit einem öffentlichen Weg eingebunden werden. Die Verlängerung des Birkenweges ist leicht versetzt als Fußwegeverbindung zum Deich aufzunehmen, da auf der bestehenden Wegeparzelle zwischenzeitlich eine Bebauung zugelassen worden ist.

Mit der Entwicklung des Hofes Allner zu einem Reiterhof muss langfristig über den Aufbau eines eigenen Reitwegenetzes nachgedacht werden, das über den engeren Bereich von Weldergoven hinaus geht, um Konflikte mit Radfahrern, Fußgängern und den Interessen der Landwirtschaft zu vermeiden.

5.11 Umgang mit privaten Hof- und Gartenräumen

Im Wesentlichen greifen die Dorferneuerungsmaßnahmen im öffentlichen Raum. Private Maßnahmen kommen ergänzend und vertiefend hinzu, hier handelt es sich um Empfehlungen, deren Umsetzung von der Bereitschaft der Bewohner abhängt. Sie sind jedoch keineswegs von geringer Bedeutung, da sie das Gesicht der Siedlung insgesamt deutlich bestimmen. Besonders die öffentlich wirksamen Bereiche der privaten Flächen, die zumeist über die Weg und Straßen erlebbar sind, sind hier ausschlaggebend. Sie verdienen einen sorgfältigen Umgang.

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Bild: Beispiel für Begrünung und Einfriedung in privaten Hof- und Gartenräumen

Mit der Pflanzung von Laubbäumen als Hausund Hofbaum anstelle der verbreiteten Konifere ließen sich die Gärten am wirksamsten aufwerten. Dazu gehören je nach Raum, der zur Verfügung steht, Laubbäume wie Ahorn oder Linde, bei beengteren Verhältnissen auch Mehlbeere, Elsbeere, Feldahorn, Hainbuche, Hahnendorn, Rotdorn, Wildbirne und vor allem Obstbäume.

Gartengrenzen können bepflanzt werden mit heimischen Laubgehölzen, Rasenflächen durch extensive Blumenwiesen ersetzt werden.

Als besonderer Lebensraum für Pflanzen und Tiere eignen sich extensiv genutzte Bereiche in den Gärten, für Singvögel, Fledermäuse und Insekten sollten Nist- und Brutmöglichkeiten bereitgestellt werden.

Im Zuge von Umbauten, Fassadenerneuerungen oder der Umgestaltung von Einfriedungen sollte die Chance genutzt werden, schmale, unversiegelte und mit magerem Bodensubstrat gefüllte Säume zu schaffen, in denen sich eine dorftypische Vegetation entwickeln kann.

Weitere Ziele für die privaten Hof- und Gartenräume sind:

  • Flächenentsiegelung aus gestalterischen und ökologischen Gründen
  • Fassadenbegrünung
  • Gut gestaltete Einfriedungen mit dem verstärkten Einsatz von Laubhecken
  • Obst-, Nutz- und Bauerngärten statt Ziergärten

Insgesamt besteht mit den beschriebenen Vorschlägen durchaus die Möglichkeit, das in weiten Bereichen negative Bild der Straßenräume erheblich zu verbessern – vorausgesetzt, der Wille der Bewohner trägt diese Bemühungen.