Problemfelder und Ziele

4.1 Leitbild und Zieldiskussionen

Die Vision über die Zukunft von Weldergoven wird sich in erster Linie aus dem Willen seiner Bewohner bzw. deren politischen Vertreter ergeben. Die Bürger sind aufgefordert, sich selbst mit der Entwicklung ihres Dorfes auseinander zusetzen. Der Planer kann Ideen von außen und fachliches Wissen einbringen. Der Abgleich mit den örtlichen Kenntnissen in einem offenen Meinungsbildungsprozess versetzt jedoch erst beide Seiten in die Lage, Ziele zu entwickeln, die später mit Leben gefüllt werden können. Bei der Entwicklung des Leitbildes versteht sich der Planer in erster Linie als Moderator. Aus diesem heraus die dörfliche Entwicklung zu lenken, ist wiederum ursächliche Aufgabe der Bewohner. Die räumliche Planung kann für diese Zukunftsvorstellung nur Rahmenbedingungen formulieren, Felder oder Grenzen von Entwicklungen aufzeigen sowie Planungsvorschläge und Empfehlungen geben, die jedoch von der Dorfgemeinschaft aufgefüllt werden müssen oder sie bleiben eine leere Hülle.

Eine lebendige Dorfgemeinschaft entsteht dann, wenn die Grunddaseinsfunktionen Arbeiten Wohnen – Erholen in einer sozial ausgewogenen Konsistenz ein Gleichgewicht und damit die Voraussetzungen für Interaktion und Kommunikation bilden, wie es noch weitgehend in einem rein agrarisch bestimmten Gemeinwesen der Fall ist. Dies ist aufgrund der inzwischen eingetretenen Entwicklung in Weldergoven nicht gegeben. Hier treffen unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen zusammen, die mehr oder weniger städtisch geprägt sind. Landwirtschaftliche Betriebe sind im Dort nicht mehr vorhanden. Örtliche Arbeitsplätze fehlen nahezu vollständig. Die wichtigsten Versorgungseinrichtungen sind verloren gegangen, zum Einkaufen werden die nächst größeren Orte aufgesucht. Die Situation ist bestimmt von einer Wohnbevölkerung, die zu den Arbeitsplätzen in den nächst gelegenen zentralen Orten pendelt.

Dieser Suburbanisierungsprozess charakterisiert allgemein weite Teile des ländlichen Raumes, er verwischt die Grenzen zwischen Stadt und Land und muss daher typisch dörfliche Erscheinungs- und Lebensformen mehr und mehr zurücktreten lassen. Einer solchen Herausforderung kann nicht mit Leitbildern einer scheinbaren Idylle aus der proindustriellen Phase des 19. Jahrhunderts begegnet werden. Sie würde nicht nur den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen entgegenstehen, sondern im Ergebnis ein verlogenes Scheingebilde abgeben. Lösungen für den ländlichen Raum liegen nicht auf der Hand und lassen sich nicht herbeizaubern. Nur eine offene und ehrliche Auseinandersetzung, wie sie derzeit leider zu wenig stattfindet, könnte weiterhelfen.

Von besonderer Bedeutung für die künftige Entwicklung von Weldergoven ist die Lage des Ortes in der Landschaft, insbesondere die Beziehung zur Sieg. Hier ergeben sich identitätsstiftende Merkmale und Besonderheiten. Dies gilt für die Hinwendung des alten Ortskernes zur Sieg in der Bing, der ausgeprägten Steilkante mit Blick über die Siegaue nach Osten oder die vorhandene und zukünftige Deichzone im Norden und Westen.

Wenn auch der ehemalige Zusammenhang von Dorf und Landschaft als ökonomisch-agrarische Funktionseinheit nicht mehr besteht, gelten die genannten Bezüge in räumlicher Hinsicht.

Ob es gelingt, dem Funktionsverlust der letzten Jahrzehnte eine Bewegung entgegenzusetzen, hängt vom Engagement der Bewohner ab. Die „Scheune“ der Interessengemeinschaft Weldergoven ist ein guter Ansatz, der zum Nachdenken ermutigen sollte, ob Einrichtungen wie Gaststätte, Bauernladen (Vermarktung regionaler Erzeugnisse) mit „Bürgerbüro“ und der Zusammenfassung wichtiger Dienstleistungen oder die Einrichtung des Fährbetriebes eine Chance besitzen.

4.2 Anregungen und Wünsche

Die Dorfgemeinschaft in Weldergoven engagiert sich seit vielen Jahren mit Themen und Maßnahmen, die die Dorfentwicklung fördern. Sei es durch die Errichtung der Dorfscheune, der Teilnahme an Wettbewerben, z.B. „Ökologisches Dorf der Zukunft“ oder der jährlichen Durchführung von Scheunenfesten. Hierauf aufbauend wurden die Anregungen und Wünsche der Bevölkerung aus den letzten 13 Jahren Vereinstätigkeit der Interessengemeinschaft Weldergoven zusammengestellt. Ausgewertet wurden die schriftlich vorliegenden Stellungnahmen, Anträge und Wettbewerbsanmeldungen. Weiterhin wurden die aktuellen Inhalte der Dorfentwicklung mit dem begleitenden Arbeitskreis umfassend diskutiert. Aufgenommen wurden auch die Anregungen, die von der Bevölkerung während des letzten Scheunenfestes vorgetragen wurden. Die Ergebnisse sind in dem gleichnamigen Plan aufgeführt.

Die hier dokumentierten Inhalte dienen im Einklang mit der umfangreichen Bestandsaufnahme, der Analyse und der Bewertung sowie der Zielformulierung als Grundlage für die Erarbeitung des Dorfentwicklungskonzepts.

Im Anhang dieses Berichtes sind darüber hinaus alle während der Bearbeitung des Dorfentwicklungskonzepts vorgetragenen Anregungen und Wünsche komplett und unkommentiert aufgeführt.

4.3 Hauptziele

Die folgenden Hauptziele der Dorfentwicklung Weldergovens berücksichtigen die formulierten Leitbilder und Entwicklungsperspektiven und stellen das Ergebnis des umfangreichen Untersuchungs- und Diskussionsprozesses dar:

  • Historischen Dorfkern schützen und entwickeln
  • Dorfmitte entwickeln
  • Infrastrukturangebot
  • Ortsbild
  • Platzbildung
  • offenen Landschaftsraum erhalten und Landschaftsrand pflegen und entwickeln
  • Siegaue naturnah gestalten
  • Hochwasserschutz verbessern
  • Retentionsraum erweitern
  • Grünland/Weide erhalten
  • behutsame bauliche Ergänzung vornehmen Ortsrand qualifiziert ausbilden
  • Innerörtliche Grünstrukturen verbessern Kleingartenanlage erhalten und erweitern
  • Spielplatz für Kleinkinder innerhalb des neu zu errichtenden Deiches schaffen
  • Verbesserung des Infrastrukturangebotes (Unterstützung bei der Schaffung und Ansiedlung von Infrastruktureinrichtungen)
  • Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche schaffen (Zusammenhang mit Bau und Betrieb einer historischen Siegfähre als unterstütztes Jugendfreizeitprojekt)
  • Querung der Sieg durch Fähre schaffen
  • Busangebot verbessern
  • Belastungen durch den Busverkehr im Dorfkern reduzieren
  • Wegebeziehungen herstellen
  • Reitwege erweitern
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Plan: Hauptziele